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Gastbeitrag Werner Eberle-Kisch, Nuvotex Videochat statt Face-to-Face: unsere neue Besprechungskultur?

eingetragen in: Business Technologietrends

Infolge der Corona-Krise sieht so mancher eine neue Besprechungskultur auf uns zukommen. Doch wer Live-Meetings für Vergangenheit hält, blickt zu kurz.

Videocalls sind in der Corona-Krise ein wichtiger Baustein der Kommunikation in Unternehmen geworden. Besonders in der Zeit des Shut Down, wo sich viele Kollegen über Wochen nicht sehen hätten können, haben Collaboration Tools dafür gesorgt, dass Projekte weiterlaufen konnten – und sich die Kollegen nicht ganz allein gelassen fühlten.

Und weil es vielerorts so gut geklappt hat, redet so mancher schon das Ende der Live-Meetings und Dienstreisen her. Sicherlich nicht verkehrt, wenn man künftig nicht mehr wegen eines halbstündigen Meetings nach Hamburg fliegt oder alle Kollegen aus unterschiedlichen Standorten für ein kurzes Meeting zusammentrommelt. Unternehmen, die darüber nachdenken, ihre Meeting-Kultur nun anzupassen, sollten sich über einige Punkte im Klaren sein.

Großes Meeting – kleine Aufmerksamkeitsspanne

Je größer das Meeting, desto höher ist die Gefahr, dass schon nach 15 Minuten ein Großteil der Teilnehmer nicht mehr zu 100 Prozent mit dem Kopf dabei ist. Denn man schweift schneller ab, wenn der Chef nicht gegenübersitzt und immer wieder den Blick sucht. Man geht in der Masse an Teilnehmern einfach unter und es fällt nicht so leicht auf, wenn man nicht ganz bei der Sache ist. Deswegen sind Videocalls zwar für kurze Updates hervorragend geeignet. Wenn man aber eine wichtige Botschaft platzieren oder ein bedeutendes Projekt starten will, dann empfiehlt sich das Live-zusammenkommen.

Ohne Körpersprache geht es nicht

Auch bei komplexen Themen sind Videocalls nicht immer ideal. Denn die Kommunikation klappt einfach besser, wenn man auch die Körpersprache beobachten kann. Brainstormings sind auch schwierig und enden eher in einem Durcheinander als in einer konstruktiven Stichwortsammlung. Hier werden Face-to-Face-Meetings auch in Zukunft unersetzbar sein.

Gerade auch bei der Neukundenakquise ist der Erstkontakt schwierig, wenn man sich nicht gegenübersteht. Denn im Mittelstand punktet man doch oft mit Sympathie. Die kann kein Bildschirm dieser Welt so vermitteln wie ein Live-Lächeln. Außerdem hat man Face-to-Face die Chance, mit Small Talk ein bisschen mehr Bindung herzustellen, sein gegenüber und was es antriebt besser kennenzulernen. Videocalls starten in der Regel gleich mit dem Besprechungs-Thema und enden auch damit. Da bleibt keine Zeit für Zwischenmenschliches. Ist der Erstkontakt hergestellt, sind Videocalls eine tolle Möglichkeit im Kontakt mit dem Kunden zu bleiben und zwischendurch die aktuellen Bedarfe abzufragen.

Vertrauen: das klappt nur Face-to-Face

Viele Geschäftsbeziehungen bauen auf Vertrauen auf. Zwar sind Videokonferenzen durch die Verbindung von Ton und Bewegtbild persönlicher und vertrauensbildender als Telefonate. Spontanität, nonverbale Kommunikation, Körpersprache & Co. gehen aber dennoch oftmals verloren. Und man sollte nicht unterschätzen, wie Technik hemmen kann: schwierige Themen und Unzufriedenheiten werden hier kundenseitig gerne mal unter den Bildschirm gekehrt. Und man verpasst vielleicht die Chance, einen Kunden zu halten.

Klares Fazit: Videocalls ja. Aber ergänzend und nicht statt Live-Meetings. Unternehmer sollten sich im Vorhinein Gedanken machen, was sie mit dem Meeting erreichen wollen. Denn Zeit kostet beides – und dann sollte wenigstens das Ergebnis stimmen. Und letztendlich werden Geschäfte doch immer zwischen Menschen gemacht – und nicht zwischen Bildschirmen.

Werner Eberle-Kisch ist Vetriebsleiter bei der Nuvotex GmbH. Foto: Nuvotex